26. Juni 2019

Baden-württembergische Bauwirtschaft weiter im Aufwind

Hohe Zuwächse vor allem im Wirtschaftsbau


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Stuttgart. Die Baukonjunktur in Baden-Württemberg startet ungeachtet der gesamtwirtschaftlichen Eintrübung mit großem Schwung ins zweite Quartal 2019. So stiegen bei den Bauunternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten die Auftragseingänge im April im Vergleich zum Vorjahr um 23,0 % auf 4,3 Mrd. Euro. Außerordentlich hohe Auftragszuwächse verzeichnete mit + 35,6 % vor allem der Wirtschaftsbau. „Von einer Investitionszurückhaltung der gewerblichen Bauauftraggeber kann momentan nicht die Rede sein“, erklärt Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Auch im Öffentlichen Bau gab es im April mit einem Orderplus von 24,3 % eine sehr starke Nachfrage. Offensichtlich schlägt sich hier der Investitionshochlauf bei Bund, Land und Gemeinden nieder. „Wichtig ist, dass die öffentlichen Bauinvestitionen trotz rückläufiger Einnahmeerwartungen bei den Steuern und ungeachtet des Scheiterns der PKW-Maut auf dem erreichten hohen Niveau bleiben und nicht gekürzt werden“, betont Möller. Nur durch eine Verstetigung der Ausgaben könnten die in den vergangenen Jahrzehnten aufgelaufenen enormen Investitionsdefizite abgebaut werden.

Mit einem Minus von 2,8 % bei den Auftragseingängen ist der Wohnungsbau die einzige Sparte im Monat April mit leicht rückläufiger Tendenz. Grund dafür scheint aber in erster Linie ein hoher Basiseffekt zu sein, der sich wegen der sehr guten Werte im Vorjahresmonat nun mit geringen prozentualen Zuwächsen auswirkt. Dennoch wertet die Bauwirtschaft die fehlende Dynamik im Wohnungsbau als Alarmzeichen: „Um die große Wohnungsnot vor allem in den Städten und Ballungsräumen unseres Landes in den Griff zu bekommen, muss die Politik dringend gegensteuern“, fordert Thomas Möller. Notwendig sei ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investitionen. So müssten die Gemeinden durch die Beseitigung rechtlicher Hürden und die Stärkung der kommunalen Planungshoheit wieder in die Lage versetzt werden, ausreichend Bauland auszuweisen. Darüber hinaus sei es unabdingbar, Bauvorschriften zu vereinfachen und die Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Außerdem bedürfe es einer verbesserten steuerlichen Wohnungsbauförderung, z.B. durch die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung. „Ein Schritt in die richtige Richtung ist der vom Wirtschaftsministerium aufgelegte Kommunalfond Wohnraumoffensive BW“, lobt der Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft. Dieser Fonds stellt in Ergänzung zur sozialen Wohnraumförderung des Landes unter anderem umfangreiche Mittel zur Unterstützung der Gemeinden z.B. beim Erwerb von Wohnbauflächen und bei der Schaffung von Wohnraum für einkommensschwächere Haushalte bereit.

Insgesamt aber läuft die Baukonjunktur weiter auf Hochtouren. Das belegt auch das zweistellige Umsatzwachstum. Über alle Bausparten hinweg stieg der baugewerbliche Umsatz im Monat April um 13,6 %. Damit erhöhte sich das Umsatzvolumen zwischen Januar und April 2019 auf fast 3,7 Mrd. Euro. Der Wert der Auftragseingänge betrug im selben Zeitraum rund 4,3 Mrd. Euro. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Beschäftigten um 6,7 %. „Diese Entwicklung zeigt, dass sich die Bauwirtschaft nach wie vor auf anhaltendem Wachstumskurs befindet und auch ihre personelle Kapazitäten stetig erweitert. Eine Trendumkehr ist angesichts der derzeit sehr hohen Auftragsbestände nicht in Sicht“, so Möller.